Eine Woche, drei Spiele, ein Remis, zwei Niederlagen, kein Sieg, drei Tore, fünf Gegentore – und viel Skepsis. Nach dem Trainingslager am Tegernsee stehen viele Fakten – und trotzdem kaum Antworten. Das größte Fragezeichen steht vor der Frage, was denn in der neuen Saison nun möglich ist. Diese Frage wird man noch nicht beantworten können, bis die ersten Pflichtspiele absolviert wurden. Dennoch können einige Aspekte analysiert werden.

Die Formation und Aufstellung

Hecking ist bekannt für sein auf eine Viererkette-basierendes Spiel. Gegen Nizza und Nürnberg setzte er phasenweise auf dieses Abwehrkonstrukt, welches demnächst noch um Matthias Ginter bereichert wird. In den Testspielen gab er Strobl, Elvedi, Vestergaard, Oxford und dem jungen Mayer die Chance, sich zu zeigen – was keinem so recht gelang. Zwar fiel keiner sonderlich negativ auf, aber dennoch war vor allem gegen Nürnberg zu sehen, wie simpel diese Abwehr ohne große Bemühungen und komplizierte Kombinationen zu knacken ist. Gegen Leeds setzte Hecking auf eine Dreierkette, die ebenso leicht zu überwinden schien wie die Abwehr der anderen Spiele.

Vor der Verteidigung setzte Hecking gegen OGCN auf eine Fünferkette, um den Gegner kommen zu lassen. In der Halbzeit entschied sich der Trainer dann für die etwas offensivere Variante, bei der er einen Mittelfeldspieler in den Sturm zog.
Insgesamt zielt Hecking vermutlich darauf ab, sein Viererketten Spiel auszubauen und um einiges variabler zu gestalten. Dabei fielen jedoch einige Punkte auf, an denen noch vieles verbessert werden muss, um das Spiel, das sie einst unter Favre perfektioniert haben, wieder neu zu erlernen.

Die Einzelspieler

Es gibt nur wenige Spieler, die man wirklich positiv herausheben kann. Darunter fallen neben Moritz Nicolas auch Mikael Cuisance und Laszlo Bénes. Während man beim Franzosen zwar noch viele Fehler und Ballverluste neben den enorm guten Ansätzen sieht, so scheint der slowakische Kollege deutlich weiter zu sein. Gegen Nürnberg leitete er das Spiel in der Zentrale und war dabei um einiges auffälliger als Neuzugang Zakaria. Der Slowake scheint einen großen Schritt in seiner Entwicklung gemacht zu haben und hat sich für mehrere Pflichtspieleinsätze in der Bundesliga empfohlen.

Was die Neuzugänge angeht, kann man lediglich Cuisance wirklich hervorheben. Der Youngster zeigt sein großes Potenzial in jeder Einheit und scheint sich auch gut in der Mannschaft eingefunden haben. Auch Grifo spielt ordentlich, überrascht jedoch nicht so wie Cuisance, von dem nahezu gar nichts erwartet wurde. Zakaria und Oxford konnten bisher noch nicht wirklich überzeugen, auch Villalba fiel noch nicht sonderlich auf, jedoch brauchen sie vermutlich auch erst ein wenig Eingewöhnungszeit.

Die Spielweise

Insgesamt fehlt noch einiges. In der Offensive sieht man eine enorm einfallslose Truppe, der der zug zum Tor fehlt. Der Abschluss wird kaum gesucht, genauso wenig wie Wege zum Tor. Steilpässe, Überspielen der Abwehr, Seitenwechsel, Schüsse aus der zweiten Reihe – nichts davon ist zu finden. In drei Testspielen, also 270 Minuten Fußball, fiel keine einzige wirklich starke Offensivaktion auf. Auch dass die gegnerischen Torhüter kaum Schüsse auf ihr Tor bekommen, sagt einiges über die Torgefahr der Borussen aus. Hinzu kommt, dass es auch Probleme in der Defensive gibt – es fehlt an Zuordnung und Koordination. So kommt es, dass Behrens beim 2:1 Führungstreffer des Clubs komplett alleine im 5-Meter-Raum steht und den Ball ohne Gegenwehr einnicken kann.

Die Aussagekraft eines Testspiels

Ja, Nizza und Nürnberg sind schon deutlich weiter in der Vorbereitung als die Borussia. Ja, der Fohlenelf stecken nach dem Trainingslager einige Kilometer in den Beinen. Ja, es ist nur ein Test und die Bayern haben auch verloren und trotzdem schiebt keiner Panik. Stimmt alles, aber ein Test ist eben auch dazu da, ein Pflichtspiel zu simulieren und daran Schwächen auszumachen. Und wenn diese Testspiele wirklich einem Pflichtspiel ähneln sollten, dann könnte man sich Sorgen machen, denn keiner der Gegner war wirklich übermächtig und trotzdem haben es alle geschafft, relativ locker die Borussia zu bezwingen. Es fehlt noch einiges und die Probleme sind nicht alle auf die harten Tage zuvor zurück zu führen. Die Fohlen haben noch einen weiten Weg vor sich, um sich für die Saison die wieder nach Europa führen soll, vorzubereiten. Doch die Zeit etwas zu verbessern wird weniger – bereits am 11. August, also in weniger als einem Monat, steht das erste Pflichtspiel in Essen an. Bis dahin muss noch einiges getan werden, um wieder in Europa anzuklopfen.