Ein bisschen mehr “Gigi“, bitte!

Gianluigi, genannt “Gigi“, Buffon feierte vor wenigen Tagen seinen 40. Geburtstag. Der Italiener wird schon jetzt als lebende Legende geadelt, er zählt zu der Art von Spielern, die man einfach mögen muss. Der Torwart von Juventus Turin und bekennender Fan des “German Team“ verkörpert den Einsatz, die Leidenschaft, die Vereinsidentifikation, die Erfolge und dennoch ein hohes Maß an Bodenständigkeit, an dem “Wissen, wo er her kommt“.

Diese letzte Phrase kennen Fans der Fohlenelf nur zu gut. Ein bisschen “wir dürfen nicht vergessen wo wir herkommen“ kombiniert mit “die Mannschaft ist kein Team, das über den Kampf kommt, sondern eher auf spielerische Weise versucht erfolgreich zu sein“ sind die gängisten Ausreden für den nur durchschnittlichen Saisonverlauf und den häufig bemängelten, fehlenden Kampfgeist des VfL in dieser Saison.

“Sometimes it’s a dance, sometimes it’s a fight.“ Diesen Werbeslogan sollte man sich in Mönchengladbach wirklich zu Herzen nehmen. Die Borussia ist eine fußballerisch gute Mannschaft, gespickt mit herausragenden Edeltechnikern wie Raffael oder Nachwuchsdribbelstars wie Cuisance. Dass die Borussia Fußball spielen kann, weiß man mittlerweile in Deutschland. Dennoch ist der Barca-Stil, also die Gegner wirklich durch rein fußballerische Methoden zu dominieren und zu schlagen, derzeit unerreichbar. Es muss mehr Kampfgeist her. Borussia ist keine Mannschaft wie der SC Freiburg, der über reine Mentalität kommen muss, weil ihnen (ohne jegliche Abwertung) fußballerisch viele Mittel fehlen, aber eben auch keine Mannschaft die es sich leisten kann Spiele ohne jegliche Mentalität abzuliefern. Nein, Borussia ist eine Mannschaft, bei der der Kampf die Basis für den Fußball legen sollte. Denn selbst wenn es nicht läuft, wenn jeder Ball verspringt und nichts gelingen will, wenn die ganzen Stammspieler verletzt sind, kämpfen kann man immer. Und man muss es auch, denn es reicht eben nicht ein Spiel zu gewinnen und anschließend zu denken es läuft von allein – nicht mal in einer derart engen Bundesliga. Man muss eben mal kämpfen, sich reinhauen, Torgeilheit und Emotionen zeigen. Und das heißt eben nicht sich eine Karte nach der anderen abzuholen, sondern lediglich zu zeigen dass man gewinnen will. Man könnte es wohl fußballerisches Kämpfen nennen, also zum Beispiel dass man mal wirklich versucht das Tor zu schießen und nicht alibimäßig vor dem Strafraum spielt (Wann schoss Borussia das letzte Tor aus der Distanz? Ich weiß es nicht mehr.), dass man richtig konsequent anläuft, dass man den Ball gewinnen will und dass man Emotionen zeigt. Die Reaktion der Mannschaft nach Gegentoren zeigt einen Anschein der Gleichgültigkeit, bei eigenen Toren wird sich auf dem Erfolg ausgeruht anstatt nachgelegt. Es fehlt Borussia an dem absoluten Siegeswillen in jedem (!) Spiel, an der Mentalität und Leidenschaft, die für Buffon das tägliche Brot darstellt.

Trotz sehr schwankenden und selten lobenswerten Leistungen ist die Fohlenelf derzeit dem internationalen Geschäft sehr nahe – und dennoch so weit entfernt. Man könnte die tabellarische Situation als zufriedenstellend bewerten, als Borussen sind wir ja schon ganz andere Tabellenregionen gewohnt und wir wissen ja wo wir herkommen und so. Aber wir wollen da ja auch nicht wieder hin. In der Saison 2017/18 profitiert die Borussia von dem kollektiven Versagen der anderen Clubs, ohne den eigentlich möglichen Profit daraus zu schlagen. Würde Borussia das Potenzial das in der Mannschaft steckt bei mehr Spielen als nur im Derby und gegen die Bayern an den Tag legen, so könnte man an große Erfolge anknüpfen. Würden jedoch die anderen Vereine es schaffen, ihre Leistungen zu bestätigen, hätten wir als Borussenfans momentan andere Probleme als Platz 7 und unkonstante Leistungen.

Also würde auch hier ein bisschen mehr “Gigi“ der Borussia gut tun, ein bisschen mehr “wissen wo man herkommt“ im Sinne von “wissen, wo man nicht mehr hin will“ und dazu das Vertrauen auf die alten Werte und Tugenden. Das Streben nach höheren Erfolgen und Tabellenregionen steht nicht im Widerspruch zu der Geschichte eines Vereins, die Geschichte ist ein Teil davon. Wer sich nach oben arbeitet, immer leidenschaftlich auftritt, sich mit seinem Verein identifiziert und sich für ihn einsetzt, wer immer – egal wie weit er es gebracht hat – seine Herkunft nicht vergisst und seine Werte übernimmt, der wird Erfolg haben und zur Legende. Eben so wie Gigi.

3 Gedanken zu „Ein bisschen mehr “Gigi“, bitte!

  • 2. Februar 2018 um 21:37
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    Ich gebe dir zu 80 Prozent recht!
    Fehlendes Engagement und mangelnde Leidenschaft waren ganz krass in Freiburg, erste Halbzeit in Köln (!) und einige andere Halbzeiten; ach so Wolfsburg das ganze Spiel..
    ABER: ich zitiere Hecking, der es wunderbar bei „Wontorra“ erklärt hat.
    Man muss auch konstatieren, dass – warum auch immer – fast alle zweifelhaften Situationen gegen uns gepfiffen wurden und wir mehrfach durch ausgebliebenen Videoassi-Einsatz „betrogen“ wurden; ihr kennt die Szenen; na ja und sooo viele Verletzungen ist auch ungewöhnlich.
    Trotzdem wirkt das Team (manchmal) seelenlos bzw. ist nicht bereit, sich zu quälen, warum auch immer.
    Insgesamt bin ich nicht so enttäuscht wie die meisten und bin sicher, dass wir mindestens noch Fünfter werden, vielleicht sogar Vierter. Einverstanden?

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  • 3. Februar 2018 um 0:08
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    ach ja, das letzte weitschusstor weißte nicht mehr??
    überlag mal: ort fängt mit B an, spieler mit R…
    viel spaß beim raten 🙂

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    • 3. Februar 2018 um 9:00
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      Raffael in Berlin! Natürlich weiß ich das noch 😀 Die Passage im Text war nur eine Allusion auf die seltenen Distanzschüsse der Borussia.
      Was die Schiedsrichterleistungen betrifft, geb ich dir recht, aber im Artikel wurde hauptsächlich das Auftreten des Teams kritisiert, was mit dem Schiedsrichter nichts zu tun hat, sondern lediglich auf die Punkteausbeute, die ich nicht zentral kritisiert habe.
      Enttäuscht bin ich auch nicht, und selbst wenn wir 12. werden aber dafür die Mannschaft beherzte Auftritte gezeigt hat, würde das für mich genügen, aber momentan ist einfach nichts. Nicht gutes, nichts schlechtes, nicht weniger und nicht mehr als man muss, aber eben zu wenig Seele.

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Die Borussia veröffentlicht nach jedem Heimspiel eine Spotify Playlist mit den im Stadion gespielten Liedern.
Die Borussia hatte erst 3 Trainer aus dem Ausland (Advocaat, Luhukay, Favre).
In Borussias Telefonnummer ist das Gründungsjahr vorhanden (01806-18|1900|)
Uwe Kamps ist seit dem 1. Juli 1982 bei Borussia Mönchengladbach im Dienst.
Der höchste Sieg der Vereinsgeschichte wurde am 8. August 1965 beim Freundschaftsspiel gegen den FC Enzen mit 30:1 eingefahren.
Ex-Borusse Wolfgang Kleff wurde ohne einen einzigen Einsatz Welt- und Europameister.