Endlich geht sie wieder los! Die Bundesliga startet heute in die 64. Saison, endlich wieder Punktspiele, endlich wieder Spannung. Während der Sommerpause wurde man zwar mit dem Confed Cup und diverser Testspiele bei Laune gehalten, doch das Kribbeln sowie die Vorfreude auf eine hoffentlich erfolgreiche Saison ist jetzt fast schon greifbar. Dieses Kribbeln ist auch in den Aussagen der Spieler zu spüren, Christoph Kramer z.B. sprach davon am Sonntag endlich wieder vor Köln stehen zu wollen und Matthias Ginter sagte, er wolle den FC Anhängern die Laune verderben. Begonnen hat die Saison bereits letzten Freitag mit einem erkämpften 2:1 beim Regionaligisten RW Essen im DFB Pokal und mit dem 104. Rheinderby gegen Köln (wettbewerbs- sowie Ligaübergreifend) zum Bundesligastart, folgt das nächste Duell gegen einen Traditionsverein.

Statistik

Für die Statistiker unter euch habe ich hier einige Daten aus den bisherigen Derbys aufgeschrieben. In der Historie gab es für die Borussia insgesamt in 103 Spielen 53 Siege, davon 29 Heim- und 24 Auswärtssiege, 20 Unentschieden, je 10 bei einem Heim- und Auswärtsspiel und 30 Niederlagen, davon 14 Heim- und 16 Auswärtsniederlagen. Vier dieser 103 Spielen gab es im UEFA Cup (heutige Europa League) davon wurden drei gewonnen, zwei bei einem Heim- und eins bei einem Auswärtsspiel, das einzige Unentschieden gab es in der Fremde. Im DFB Pokal gab einen Sieg und zwei Niederlagen, alle drei Spiele waren Heimspiele. In der Bundesliga waren es bei 86 Spielen 47 Siege, 24 davon zuhause (Sonntagabend hoffentlich 25) und 23 auswärts, 16 Unentschieden, von denen 9 im eigenen Stadion und 7 in der Fremde waren und 23 Niederlagen, wovon 10 bei Heimspielen und 13 bei Auswärtsspielen waren. in der 2. Bundesliga bei wurde vier Mal gegeneinander gespielt, dabei gab es einen Sieg, dieser war natürlich ein Heimsieg und drei Unentschieden eines davon bei einem Heim- und zwei bei einem Auswärtsspiel. In der Oberliga West, wo beide Vereine vor Gründung der Bundesliga aufeinander trafen, gab es bei sechs Spielen einen Sieg, dieser war ebenfalls zuhause und fünf Niederlagen, von denen zwei zuhause und drei auswärts waren.

In allen Spielen erzielen unsere Fohlen insgesamt 203 Tore. 148 mussten die jeweiligen Torhüter unserer Borussia aus dem eigenen Netz holen. Die Tore teilen sich folgendermaßen auf: Im UEFA Cup waren es sechs eigene Treffer zuhause und drei auswärts, wo es auch den einzigen Gegentreffer in diesem Wettbewerb gab. Der DFB Pokal weist mit sieben Toren und neun Gegentreffern eine negative Torbilanz gegen den rheinischen Rivalen auf. Während der Bundesligaheimspiele erzielte unser VFL 82Tore und Kassierte 49, bei Auswärtsspielen gibt es eine 90 zu 64 Statistik und somit eine Gesamtzahl von 172 Toren zu 113 Gegentoren. In den beiden Heimspielen in Liga 2 wurden fünf Tore erzielt, drei Mal musste die Borussia hinter sich greifen. Auswärts ist die Statistik mit zwei eigenen und zwei Gegentreffern ausgeglichen. Während der Zeit in der Oberliga erzielte Borussia sieben Heimtreffer, kassierte aber 11. Die Tordifferenz in Köln ist mit einem Treffer und neun Gegentreffern ebenfalls negativ.

Transfers

Borussia

Zugänge

Typisch für Max Eberl und sein Team ist es frühzeitig nach neuen Spielern zu suchen und das ein oder andere Talent von der Borussia zu überzeugen. Um für die neue Saison eine gute Mannschaft zusammenzustellen, wurden rund 37 bis 39  Millionen € für neue Spieler ausgegeben. Mit Matthias Ginter, der für 17 Millionen von Dortmund geholt wurde, Denis Zakaria, für 12 Millionen von den Young Boys Bern, Vincenzo Grifo, der für 6 Millionen vom SC Freiburg verpflichtet wurde und mit Raul Bobadilla, welcher laut Medienberichteten zwischen 2 und 4 Millionen gekostet haben soll, kam der von vielen Fans langersehnte Stürmer und somit wechselten vier gestandene Profis zum VFL.

Eines der angesprochenen Talente ist Mickaël Cuisance, der für 250.000,00 € aus der U19 des AS Nancy-Lorraine kam. Wieder einmal schneller als die Konkurrenz war unser VFL bei der Verpflichtung von Florian Neuhaus, welcher ablösefrei vom TSV 1860 München geholt wurde. Einen Leihspieler an den Niederrhein zu holen hat sich, in der Vergangenheit bereits bewährt, mit Reece Oxford von West Ham United wurde der nächste Spieler auf Leihbasis aus der Premiere League geholt. Eigentlich schon seit letzter Saison ein Fohlen, aber direkt wieder an seinen Heimatverein Club Cerro Porteño verliehen, trägt nun auch Julio Villalba die Raute auf der Brust.

 

Abgänge

Um den Kader etwas auszudünnen wurden gleich acht Spieler verkauft oder verliehen. So haben wir durch Verkäufe, von Mahmoud Dahoud zum BVB für insgesamt 12 Millionen, André Hahn André Hahn zum HSV 6 Millionen, Nico Schulz nach Hoffenheim für 3 Millionen, Julian Korb nach Hannover für 3 Millionen, Djibril Sow nach Bern für 2 Millionen, Marvin Schulz nach Luzern FC Luzern in die Schweizer Super League Ablöse unbekannt, ca. 23 Millionen € eingenommen.

Tsiy William Ndenge wurde nach Kerkrade in die Eredivisie verliehen und Andreas Christensen musste nach zweijähriger Leihe zum FC Chelsea in die Premier League zurück. Ebenfalls nicht für unseren VfL auflaufen wird der vorhin angesprochene Florian Neuhaus, den Max Eberl direkt an Düsseldorf verlieh und dafür 80.000,00 € aus Düsseldorf erhielt.

Köln

Zugänge

Auf Seiten der Kölner legte man für sieben Spieler insgesamt 34 Millionen € aus. Neu an die Domstadt wechselten Jhon Córdoba von Mainz 05 für 17 Millionen Euro, Jorge Mere von Sporting Gijón für 7 Millionen Euro, Jannes Horn aus Wolfsburg für 7 Millionen Euro, João Queirós von der U19 des SC Braga für 3 Millionen Euro, Tim Handwerker kam ablösefrei von Leverkusens U19 und Nikolas Nartey wurde von der zweiten Mannschaft der Kölner hochgezogen.

Abgänge

Den Verein verlassen haben: Anthony Modeste, der zum TJ Quanjian nach China für 34,7 Millionen Euro wechselte, Marcel Hartel schloss sich dem 1. FC Union Berlin an und brachte den Kölnern 250.000,00 € ein sowie Neven Subotic, dessen Leihe beendet ist und er nach Dortmund zurück ging.

Testspiele

Borussia

Bei den Testspielen des VfL gab es zwei Siege und zwei Unentschieden zu sehen, aber auch fünf Niederlagen, wobei zwei davon im 11-Meter-Schiessen zustande kamen. Auch die Torausbeute viel mit neun Treffern sehr dünn aus. Patrick Herrmann und Thorgan Hazard waren mit je zwei Treffern die Toptorschützen. In diesen Testspielen probierte Dieter Hecking einige neue Systeme aus. Neben dem gewohnten 4-4-2 ließ er das 3-5-2 und auch das 3-4-3 spielen. Diese Systeme können je nach Situation und Gegner auch im laufenden Spielvariiert werden.

Köln

Die Testspielergebnisse des rheinischen Rivalen waren ähnlich wie bei unserer Borussia sehr durchwachsen. Während das erste Spiel 10:1 gegen den Graz AK aus Österreich gewonnen wurde, gab es in den restlichen fünf Spielen nur Unentschieden. Am treffsichersten in diesen spielen war Rudnevs mit vier Treffern. Auf dem zweiten Platz landeten mit Clemens, Zoller, Guirassy und Córdoba gleich vier Spieler mit je zwei Treffern. In diesen Spielen bevorzugte Peter Stöger das klassische 4-4-2 System, aber auch ein 4-4-3 System oder ein 4-2-3-1 System wurde getestet. Das 4-2-3-1 kam u.a. zuletzt im DFB Pokal zum Einsatz und kann durch das sehr Offensive ausgerichtete Mittelfeld bei Bedarf auch zu einem 4-2-1-3 System umgestellt werden.

Stärken und Schwächen

Borussia

Positiv

Mit Spielern wie Raffael, Hazard und Traore haben wir gute Einzelspieler, die auch mal ein Spiel entscheiden können. Auf dem Flügel haben wir zahlreiche schnelle, polyvalente Spieler, die unser Spiel sehr variabel gestalten können und es dem Gegner schwer machen sich darauf einzustellen. Mit Vincenzo Grifo haben wir einen Spieler verpflichtet, der unsere Standards wieder gefährlich machen kann. Durch die neuen Talente wird unsere Mannschaft zusätzlich schwerer auszurechnen, da Dieter Hecking die Mannschaft immer wieder durchmischen kann.

Negativ

Der Weggang unseres Stammspielers Andreas Christensen ist deutlich spürbar. Die Viererkette wirkt phasenweise noch wacklig und wird etwas Zeit brauchen sich aufeinander abzustimmen. Im Pokalspiel gegen RW Essen gab es häufiger viel Raum für den Gegner, da unsere Aussenverteidiger nicht schnell genug das Umschaltspiel umsetzten. In der Offensive sieht man zu wenig zug zum Tor, ab dem gegnerischen Strafraum fehlt die zündende Idee, kaum mal ein Schuss aus der zweiten Reihe wird versucht.

Köln

Positiv

Die Kölner scheinen ihre Offensive mit Jhon Cordoba gut verstärkt zu haben, da dieser zum schnellen Spiel der Kölner gut passt Während der Testspiele ist aufgefallen, dass die Kölner durch Ihre schnellen Mittelfeldspieler, gerade bei Kontern mit ihrem schnellen Passspiel, sehr gefährlich werden können.

Negativ

Im Luftraum wirkten die Domstädter sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive sehr anfällig. Auch wenn mit Jhon Cordoba ein schneller Mann für die Offensive verpflichtet werden konnte ist anzuzweifeln ob dadurch der Weggang von Modeste kompensiert werden kann, da dieser doch ein großes Loch im Kölner Spiel hinter lassen hat.

mögl. Aufstellung

Aufgrund der Eindrücke aus den Testspielen, Trainingseinheiten und der 1. Runde im DFB Pokal ergeben sich aus meiner Sicht diese beiden Aufstellungen.

Borussia

 Als Taktik erwarte ich ein klassisches 4-4-2 System. Im Tor wird unser Schweizer Nationalspieler Sommer stehen. In der Defensive droht Jantschke weiter auszufallen und daher wird wohl Elvedi auf rechts beginnen. Somit die Viererkette bestehend aus Wendt, der kürzlich seinen Vetrag bis 2019 verlängert hat, dem Neuzugang und Confed Cup Sieger Ginter, Vestergaard und Elvedi auflaufen. Bei einer möglichen Dreierkette dürfte Wendt ins linke Mittelfeld gezogen werden. Im Zentralen Mittelfeld gehe ich von einer Änderung gegenüber dem Spiel in Essen aus. Neben Kramer könnte ich mir Bénes vorstellen, der in seinen Einsätzen und den Trainings auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz in dieser Saison zu brennen scheint. Kommen wir zur Offensive, auf den Flügeln hat Dieter Hecking mit Hazard, Traore, Herrmann, Hofmann, Grifo ggf. Wendt, die Qual der Wahl. Um bei den Standards für mehr Gefahr zu sorgen, habe ich mich auf der linken Seite für Grifo entschieden, der, sofern Wendt vorgezogen wird, auch als 10er eingesetzt werden kann, und auf der rechten Seite wird Traore auflaufen. Im Sturm wird wie gewohnt der ebenfalls im Confed Cup siegreiche Stindl neben Raffael spielen. Der Rückkehrer Raul Bobadilla wird wahrscheinlich als Back up fungieren, für den Fall, dass offensiv gar nichts läuft.

 Köln

 Die Kölner erwarte ich mit einem eher defensiven 4-2-3-1 System. Unumstritten auf der Torwartposition ist Horn. In der Abwehr wird Peter Stöger voraussichtlich auf Rausch, Heintz, Sörensen und Klünter setzen. Das defensive Mittelfeld wird neben Lehmann aus dem Kölner Eigengewächs und Nationalspieler Hector bestehen. Im Mittelfeld rechne ich mit Bittencourt, Jojic und dem ebenfalls aus der Kölner Jugend stammenden Clemens. In der Sturmspitze wird Neuzugang Cordoba stehen.

Duelle

Basierend auf die behandelten Stärken und Schwächen, sowie den möglichen Aufstellungen wird es auf folgende Duelle hinaus laufen. Der Kölner Cordoba wird es mit Ginter zu tun kriegen. Bénes wird zeigen müssen, dass er zu Recht in der Startelf steht und es mit dem ehem. Dortmunder Jojic aufnehmen müssen. Wendt und Elvedi, waren im Spiel gegen Essen oftmals zu langsam in der Rückwärtsbewegung, gegen Bittencourt und Clemens sollte das Umschaltspiel besser funktionieren. Die Innenverteidigung der Kölner mit Heintz und Sörensen werden es im Wechsel mit Stindl und Raffael zu tun haben. Bei Standards wird das Duell des 1.90m großen Heintz gegen den 1.99m großen Vestergaard interessant werden. Grifo und Traore werden im Wechsel mal auf links und mal auf rechts auftauchen und es somit den Außenverteidigern der Kölner Rausch und Klünter schwer machen sich auf einen Gegner einzustellen.

Fazit

Unsere Borussia wird zeigen müssen, wie sie den Weggang von Christensen kompensieren kann, denn eine stabile Abwehr ist die Grundlage für ein erfolgreiches Spiel. Die Schnelligkeit muss, über die Flügel kommend, ausgespielt werden, um von dort Druck auf den Gegner zu erzeugen und somit für mehr Torgefahr zu sorgen. Sollte aus den Anstrengungen heraus dennoch kein Tor zustande kommen, haben wir mit Grifo einen für die Standards und mit Raul Bobadilla einen torgefährlichen Stürmer, wie er es in Augsburg mehrfach bewiesen hat.

Dass die Kölner eine starke Truppe haben, haben diese in der letzten Saison bewiesen. Der Weggang von Modeste war sicherlich nicht einfach zu kompensieren, doch Cordoba hat in Mainz gezeigt, dass er gefährlich ist. Die Kölner müssen in dieser Saison allerdings erstmal beweisen, dass sie mit der Dreifachbelastung umgehen können.

Hitzig wird das Derby, welches in diesem Jahr von Deniz Aytekin geleitet wird, begründet von der Historie definitiv. Am Ende wollen wir alle nur eins, Siegreich aus dem Derby hervorgehen und deshalb hoffe ich, dass ganz nach dem Motto „Derby Ja, Gewalt nein“ der Kampf auf dem Platz angenommen wird, es aber ausserhalb des Stadions und auf den Rängen, des wahrscheinlich ausverkauften Borussia Park, friedlich bleibt, wenn es am Sonntag um 18:00 Uhr heißt „it’s Derbytime“.

Fohlennewstipp: 3:1