Weltsprache: Fußball

Es geht ins Stadion. Nach ein paar Minuten im Zug fangen die ersten Fragen an. „Sag mal, hat mal jemand nen Ausweis parat? Ich brauch Zigaretten“ – „Mein amerikanischer Ausweis gilt hier leider nicht, sorry.“ Irgendwann hat sich dann mal ein Ausweis gefunden, da fängt ein Afghane an, zu telefonieren – auf persisch. Von einem Niederländer werden wir nach dem Weg zum Stadion gefragt, ein Asiate interessiert sich für unsere Schals und wir erzählen ihm von unserer Leidenschaft für das „German Team“.

Im Stadion angekommen geht´s zur Einlasskontrolle. Ein Mann, der optisch wohl indische Wurzeln besitzt kontrolliert unsere Rucksäcke, bittet uns, das letzte Bier zu entsorgen und wünscht uns ein schönes Spiel. Wir bedanken uns.

Der Stadionsprecher beginnt die Aufstellungen zu verlesen. Bei der Zweitvertretung der Borussia: Ein Engländer in der Verteidigung, im Mittelfeld ein Slowake. Im Sturm agiert ein Grieche gemeinsam mit dem Kapitän, einem Italiener. Auf der Bank: Ein Türke und ein Deutscher mit Wurzeln aus dem Kongo. Aufgestellt hat diese Mannschaft übrigens ein Niederländer.

Nach dem Spiel geht´s in die nächst gelegene Kneipe. Gemeinsam mit Fans des Gegners philosophiert man über das vergangene Spiel. „Ey, der schei* Ausländer..“, gemeint war der Torschütze zum 1:0 für die Borussia, ein Grieche. Dass der Schütze zum Ausgleich polnische Wurzeln besitzt ist hier irrelevant.
Solche Aussagen sind hier aber glücklicherweise nur die Seltenheit.

Hier. Aber nicht dort. Vor allem in Fra

nkreich und Italien gehören rassistische Äußerungen in Europas Topligen zur Tagesordnung. Allein Balotelli wurde in den letzten Monaten zig mal aufgrund seiner Hautfarbe in den großen europäischen Stadien schikaniert. Traurig. Gerade weil der Fußball Platz bieten sollte, gegen Rassismus vorzugehen. Dennoch wird der Sportplatz meistens eher als Fläche für Beleidigungen genutzt. Kevin-Prince Boateng, ehemaliger Mannschaftskamerad von Balotelli, unterstützt in der Bundesliga die Initiative „Diskriminierung“ – ein löbliches Zeichen, was eigentlich nicht nötig sein sollte.

Der Fußball ist ein Sport für jeden und jede, er hat die einmalige Macht, Menschen unterschiedlicher Herkünfte und Bevölkerungsschichten zu verbinden. Fußball ist eine Sprache, die jeder versteht und die Menschen zusammen kommen lässt. Natürlich sind wir alle unterschiedlich, und jeder trägt seine eigenen Wurzeln mit sich, aber unser Ziel ist das Gleiche: Wir wollen unsere Mannschaft siegen sehen und 90 Minuten den Alltag vergessen, Emotionen spüren und für seinen Verein die Lieder durch die Stadien brüllen – ob in Deutschland, Italien, Arabien oder sonst wo. Und auch in unserer Hymne „Die Seele brennt“ wird dieser multikulturelle Aspekt deutlich: „Ganz egal ob du grad Pizza, Sushi oder ’nen Burger isst“, die Leidenschaft zur Borussia verbindet uns Fohlenfans, die Leidenschaft zum „beautiful game“ verbindet die Welt, die Armen und die Reichen, die Schwarzen und die Weißen.

Ein anderes Beispiel: Letztes Jahr war ich im Urlaub in den vereinigten arabischen Emiraten, eine komplett andere Kultur. Wie für meine Reisen üblich habe ich auch dort ein Fußballspiel besucht: Al Shabab gegen Al Jazira. Eine Erfahrung, die mich so schnell nicht mehr los ließ. Die „Ultras“ stehen genauo wie in unserem Block 16 in ihrer Kurve, tragen jedoch lange weiße Gewänder und singen arabische Fangesänge. Daneben sitzen Pakistanis und andere Arbeiter, die tagtäglich für die reichen Scheichs in der Hitze Dubais für einen Hungerlohn arbeiten – und sie fangen einfach an zu singen. Sie fingen einfach an zu singen! Voller Lebensfreude ertönte „Waka Waka“ im Einklang zu den arabischen Gesängen der reichen Al Jazira-Fans. Darum geht es.

Fußball, ein Sport für jeden und jede. Jede Nation und jede Kultur ist willkommen, weil alle das selbe Ziel haben: Schönen Fußball zu sehen und ihre Mannschaft siegen zu sehen. Fußball hat die Macht, Menschen zu verbinden, auch wenn sie nicht die gleiche Sprache sprechen. Gib 10 Kindern aus 10 unterschiedlichen Ländern einen Ball, und sie werden spielen. Sie sprechen nicht alle englisch, aber die inoffizielle Weltsprache verstehen sie: Fußball.

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Die Borussia veröffentlicht nach jedem Heimspiel eine Spotify Playlist mit den im Stadion gespielten Liedern.
Die Borussia hatte erst 3 Trainer aus dem Ausland (Advocaat, Luhukay, Favre).
In Borussias Telefonnummer ist das Gründungsjahr vorhanden (01806-18|1900|)
Uwe Kamps ist seit dem 1. Juli 1982 bei Borussia Mönchengladbach im Dienst.
Der höchste Sieg der Vereinsgeschichte wurde am 8. August 1965 beim Freundschaftsspiel gegen den FC Enzen mit 30:1 eingefahren.
Ex-Borusse Wolfgang Kleff wurde ohne einen einzigen Einsatz Welt- und Europameister.